Fachtagung Prävention sexualisierter Gewalt  

Prävention sexualisierter Gewalt:  Standards, Erfahrungen und Praxisanregungen für Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe

Fachtagung am 26. März 2015, Maternushaus, Köln
 

Der BVkE war Träger des von der Glücksspirale geförderten Projektes „Prävention von (sexualisierter) Gewalt in katholischen Einrichtungen und Diensten der Erziehungshilfe“, das im Juli 2011 startete und im Juni 2014 endete. Das Projekt, an dem sich 11 Einrichtungen aus dem Bereich der stationären Erziehungshilfe beteiligt haben, wurde operativ umgesetzt durch das Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ). Hauptziele der Fachtagung, an der ca. 75 Teilnehmer(innen) aus dem Feld der Erziehungshilfe teilgenommen haben, waren einerseits die Vorstellung der zentralen Projektergebnisse sowie andererseits die Präsentation ausgewählter Entwicklungsprozesse der am Projekt beteiligten Einrichtungen und Dienste.

Zunächst stellte der Projektleiter, Herr Klein, die im Rahmen des Projekts entwickelte Checkliste mit praxiserprobten Präventionsstandards vor und zeigte anhand empirischer Forschungsergebnisse auf, inwieweit das Thema Prävention von sexualisierter Gewalt innerhalb der im BVkE organisierten Einrichtungen und Dienste bereits konzeptionell umgesetzt worden ist. Festzuhalten ist dabei zunächst, dass in den meisten Einrichtungen bereits Präventionskonzepte bzw. Regeln – in allerdings sehr unterschiedlicher Ausprägung – vorliegen. Bei näherer Betrachtung der jeweiligen konkreten Umsetzung zeigen sich allerdings zum Teil noch erhebliche Nachholbedarfe, insbesondere in Bezug auf Verbindlichkeit und Transparenz bestehender Regelungen sowie auf externe Vernetzungen. Diese Punkte sollten für die Zukunft stärker in den Fokus genommen werden, um die Effektivität und Nachhaltigkeit bestehender Präventionsbemühungen in den Einrichtungen und Diensten weiter zu erhöhen.

Im Anschluss stellten drei Vertreter(innen) aus den am Projekt beteiligten Einrichtungen Jugendhilfe St. Elisabeth in Dortmund, Christophorus Jugendwerk in Oberrimsingen und Jugendhilfezentrum Raphaelshaus in Dormagen spezifische Aspekte ihres einrichtungsinternen Präventionskonzepts  dar. In der Diskussion mit den Tagungsteilnehmern/-innen wurde dabei deutlich, dass eine theoretisch fundierte Entwicklung und eine fortwährende praktische Umsetzung eines sexualpädagogischen Konzepts essentielle Bausteine innerhalb eines funktionierenden Präventionskonzepts darstellen.

Im Rahmen des sogenannten „Markts der Möglichkeiten“ stellten am Nachmittag neben den drei genannten Institutionen weiter die ebenfalls am Projekt beteiligten Einrichtungen Haus Gabriel in Speyer, und Kinder- und Jugenddorf Marienpflege in Ellwangen ausgewählte Praxisbeispiele aus ihren eigenen Präventionskonzeptionen aus. Die Teilnehmer(innen) der Veranstaltung konnten bei dieser offenen Form des Dialoges mit den Projektteilnehmern/-innen in Austausch treten.

Den Schlusspunkt setzte Frau Prof. Dr. Claudia Bundschuh, die aus ihrer langjährigen Erfahrung sowohl auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Forschung als auch der praktischen Tätigkeit im Themenfeld sexualisierte Gewalt wichtige Impulse für die Weiterarbeit in den Einrichtungen und Diensten gab. Sie betonte in ihrem Fachvortrag, dass die Entwicklung von Präventionskonzepten als ständiger Prozess zu verstehen ist, der in regelmäßigen Zeitabständen evaluiert und neu justiert werden muss. Als besonders bedeutsam stellte Sie dabei die Einbeziehung aller am Hilfeprozess in einer Einrichtung Beteiligten als grundlegende Haltung in jeder Institution heraus.

Zusammenfassend lassen sich folgende Ergebnisse der Fachtagung abbilden:

- Die sexualisierte Gewalt in Peer Groups findet derzeit noch zu wenig Beachtung.
- Eine systematische Risikoanalyse sollte vor jeder Konzeptentwicklung vorangestellt werden.
- Wiederkehrende externe Fortbildungen und die Einbeziehung externer Berater sind
  wichtige
 Bausteine bei der Entwicklung und Umsetzung von Präventionskonzepten.
- Arbeitsrechtliche Fragen bei Verdachtsmomenten sind noch klärungsbedürftig.
- Präventionskonzepte sind Bestandteil des Qualitätsmanagements.
- Methodische und rechtliche Hilfen für die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen sind noch nicht
  ausreichend vorhanden.
- Arbeitshilfen, die rechtliche Grauzonen beschreiben, liegen nicht vor.
- Beteiligungsprozesse in Einrichtungen und Dienste sind Grundlage für ein funktionierendes
  Präventionskonzept.
- E-Learning-Programme und deren Weiterentwicklung haben einen hohen Stellenwert, um
  den bestehenden hohen Fortbildungsbedarf zu decken.

Die beiden Veranstalter, der BVkE und das IKJ, waren sehr zufrieden mit dem Verlauf und den Ergebnissen der Veranstaltung. Als wichtigstes Fazit nehmen beide Veranstalter mit, dass es noch viel Bedarf seitens der Einrichtungen und Dienste gibt, die Präventionsfragen in Institutionen weiterzuentwickeln.


Die Unterlagen der Fachtagung und weitergehende Unterlagen aus den Einrichtungen können Sie rechts in der Spalte einsehen bzw. herunterladen.