Erziehungsberatung wirkt! – Bundesweite Studie Wir.EB zeigt positive Ergebnisse

Erziehungsberatung bewirkt erhebliche Verbesserungen im familiären Zusammenleben der ratsuchenden Menschen und trägt neben einer Förderung der Erziehungskompetenz insbesondere dazu bei, dass sowohl Eltern als auch Junge Menschen besser mit belastenden Situationen umgehen können. 

Dies sind die zentralen Ergebnisse der Studie „Wir.EB“, der „Wirkungsevaluation in der Erziehungsberatung“, die im Rahmen einer bundesweiten Fachtagung am 23.11.2016 in Frankfurt am Main von Jens Arnold und Prof. Dr. Michael Macsenaere vom Institut für Kinder- und Jugendhilfe Mainz (IKJ) 100 Vertreterinnen und Vertretern aus Forschung und Praxis der Erziehungsberatung sowie von Trägern, Jugendämtern und Ministerien vorgestellt wurden. Die Ergebnisse der wegweisenden Studie stützen sich auf eine umfangreiche Datengrundlage von 6.000 Beratungsprozessen, die in bundesweit nahezu 100 beteiligten Beratungsstellen dokumentiert wurden. Im Rahmen der längsschnittlich angelegten Studie wurden, bei Beginn und am Ende der Beratungen, neben den Einschätzungen der Beratungsfachkräfte jeweils auch die Sichtweisen der Eltern und Jungen Menschen einbezogen.

Viele Studien konnten Erziehungsberatungen nach § 28 SGB VIII bereits sehr hohe Klientenzufriedenheiten und Weiterempfehlungsraten bescheinigen. Wie aber auch Prof. Dr. Christian Roesler von der KH Freiburg im Rahmen seines Fachvortrags zum sog. „Diskrepanzphänomen“ hervorhob, liegen oft auch dann hohe Zufriedenheiten vor, wenn faktisch gar keine konkreten Verbesserungen, der für die Beratung maßgeblichen Probleme, festzustellen sind. An dieser Stelle setzte die Wir.EB-Studie an: Im Rahmen des zweieinhalbjährigen von der Stiftung Aktion Mensch e.V. geförderten Vorhabens, dessen Projektträger der Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e.V. (BVkE) war und das vom Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ) in Mainz wissenschaftlich begleitet wurde, sollten erstmals praxisgerechte Evaluationsinstrumente entwickelt werden, die unmittelbare Aussagen zur Wirksamkeit von Erziehungsberatungsprozessen ermöglichen. Dazu wurde ebenfalls erstmalig, im Rahmen einer empirischen Studie in der Kinder- und Jugendhilfe, umfassend auf den von Amartya Sen und Martha Nussbaum beschriebenen „Capability Approach“ zurückgegriffen, bei dem die klientenbezogenen Verwirklichungschancen bzw. Grundbefähigungen für ein gelingendes Leben im Mittelpunkt stehen.

Die Forschungsergebnisse der Wir.EB-Studie zeigen, dass neben den bereits einführend genannten spezifischen Effekten, Erziehungsberatung in allen untersuchten Capability-Dimensionen besonders hohe Wirksamkeiten bei den sog. intendierten Wirkungen erreicht. Dabei handelt es sich um die Lebensbereiche, in denen ein konkreter Änderungswunsch für die Beratung formuliert wurde. Prof. Macsenaere bewertet es in diesem Zusammenhang als „äußerst erstaunlich, dass ein vergleichsweise niederschwelliges Angebot wie die Erziehungsberatung derart hohe Effektstärken erreichen kann.“ Die ebenfalls vergleichsweise hohen Übereinstimmungen zwischen Beratern, Eltern und Jungen Menschen seien ebenfalls keineswegs selbstverständlich.

Wie im Fachvortrag von Jens Arnold und Prof. Macsenaere ebenfalls deutlich wurde, zeigen die Befunde der begleitend durchgeführten Validierungsstudie, dass die neu entwickelten Instrumente eine hohe Reliabilität und Validität aufweisen und damit den Gütestandards an ein wissenschaftlich fundiertes wirkungsorientiertes Evaluationsverfahren gerecht werden. Die Rückmeldungen aus der Beratungspraxis unterstreichen ferner, dass die Fragebögen aller-größtenteils gut von den Klienten angenommen wurden und mit darstellbarem Zeitaufwand in die alltäglichen Abläufe von Beratungsstellen integrierbar waren. Entsprechend der äußerst ermutigenden Ergebnisse wurde von den Teilnehmer/-innen der Fachtagung am 23.11.16 vielfach der Wunsch geäußert, dass die nun vorliegende Innovation auf möglichst breiter Basis und trägerübergreifend in den „Regelbetrieb“ von Beratungsstellen eingehen sollte, um auf dieser Grundlage, nach innen wie nach außen, einen nachhaltigen Beitrag zur Qualitätsreflexion und -entwicklung von Beratungsstellen zu ermöglichen. Wie Stephan Hiller, Geschäftsführer des Bundesverbandes katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e.V., resümierend betonte, wird der BVkE diesen Wunsch aufgreifen: Im Rahmen einer Implementierungsstudie, die Anfang 2018 starten soll, wird dann ein breiter Einsatz des Verfahrens angestrebt.

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Jens Arnold
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Verantwortlich im Sinne des Presserechts Prof. Dr. Michael Macsenaere (Institut für Kinder- und Jugendhilfe) und Stephan Hiller (Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe)